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Newsletter 2008-01 - Artikel 1

Rückdeckungsversicherung zu Pensionszusagen ein Auslaufmodell?

In den letzen Wochen und Monaten wurden wir von einigen Steuerberatern immer wieder auf unseren Artikel aus dem Expertennewsletter 01.2007 angesprochen. Viele verwiesen darauf, dass insbesondere bei länger laufenden Rückdeckungs-versicherungen aufgrund der angeblich hohen Überschüsse der Lebensversicherer z. B. in den 90 iger Jahren unsere dargestellte Berechnung nicht stimmen kann.

Grundsätzlich stimmt es natürlich, dass Rückdeckungsversicherung die zur Absicherung von Pensionszusagen in den Jahren 1985 – 2000 abgeschlossen wurden, je nach dem welcher Rückversicherer ausgewählt wurde, eine durchschnittliche Gesamtverzinsungen des Deckungskapitals von 6 % und mehr erzielt haben.

Dem gegenüber müssen heute aber eine Vielzahl entscheidender Punkte berücksichtigt werden. Zur besseren Nachvollziehbarkeit, was genau wir hiermit meinen, zeigen wir Ihnen dies an dem folgenden Beispiel:

Nehmen wir an einem Geschäftsführer wurde tatsächlich mit dem 35. Lebensjahr eine Pensionszusage erteilt. Die Zusagenerteilung erfolgte zum 01.01.1985.

D. h. der Gesellschafter Geschäftsführer würde, vorausgesetzt es kommt nicht zu einem vorzeitigen Versicherungsfall, am 01.01.2015 in den wohlverdienten Ruhestand treten. Wenn wir also bei dem Beispiel bleiben, hätte er theoretisch bis in das Jahr 2001 in einer Phase hoher Überschussverzinsung Beiträge in eine Rückdeckungsversicherung einbezahlt. Je nach Höhe und Laufzeit der Pensionszusage müssen, sofern diese durch eine konqurente Rückdeckungsversicherung abgesichert wird, die Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten in Abzug gebracht werden.

Da insbesondere die Abschlusskosten in der Vergangenheit auf die ersten zwei Versicherungsjahre verteilt wurden, verkürzt sich der Zeitraum in dem Deckungskapital angesammelt wird um weitere zwei Jahre. D. h. der Zeitraum in dem ein Deckungskapital gebildet wurde beträgt tatsächlich nur 14 Jahre.

Wie den meisten durch die Medien bekannt ist, stürzten nach dem Jahr 2001 in der gesamten Versicherungsbranche die Überschussverzinsung der Versicherungsgesellschaften dramatisch ab.

Bei vielen Gesellschaften wurde ab dem Jahr 2002 für bestehende Lebens- und Renten-versicherungen gerade noch der Garantiezins gezahlt. Dieser lag für Versicherungsverträge die in 1985 abgeschlossen wurden, i. d. R. bei 3,5 %. Wie wir gemeinsam mit dem Analysepartner „Renditefinder“ bei der Analyse von Rückdeckungsversicherungen feststellen konnten, liegt die durchschnittliche Gesamtverzinsung der eingezahlten Deckungskapitalien selbst bei den 10 besten Versicherungsgesellschaften selten höher als 5 % brutto. Wie bekannt, werden die Rückstellungen der Pensionszusagen jedoch mit einem Zinssatz 6 % netto (Tabelle Heubeck 2005 G) bewertet.

Selbstverständlich blieb den Versicherungsgesellschaften diese Problematik nicht verborgen, sodass man bereits im Jahr 2002 gezielt auf die eigenen Rückdeckungsversicherungs-bestände zuging und die betreffenden Unternehmen / Gesellschafter Geschäftsführer hinsichtlich einer Anpassung Ihrer bestehenden Rückdeckungsversicherung ansprach.

Dabei wurde darauf verwiesen, dass die Anpassung durch die Umstellung der Tabelle Heubeck von RT 1993 auf RT 1998 notwendig geworden ist. Mit dieser geschickt gezündeten Nebelkanone, hat man natürlich das tatsächliche eingetretene Problem übertüncht.

Wer die vorgelegten Angebote gewissenhaft nachrechnete, musste feststellen, dass das Angebot zur Anpassung seiner für die Pensionszusage abgeschlossene Rückdeckungs-versicherung, durch den Abschluss einer neuen zusätzlichen Rückdeckungsversicherung nur ein Geschäft für den anbietenden Versicherer war.

Unser Augenmerk bei der Überprüfung bestehender Pensionszusagen liegt deshalb auch darin, durch den Einsatz des Analysetools unseres Partners „Renditefinder“ die tatsächliche Wertentwicklung bestehender Rückdeckungsversicherungen zu analysieren.

Anhand der Ergebnisse, wird eine Bewertung der derzeitig bestehenden Pensionszusage hinsichtlich des Kapitalstocks erstellt, und mit einer entsprechenden Handlungsempfehlung von uns ausgestattet.

Es liegt dann im Ermessen des Gesellschafter Geschäftsführers bzw. seines Steuerberaters die sich hieraus ergebenden Rückschlüsse für sich zu ziehen.

In diesem Zusammenhang beobachten wir, mit einigem Interesse den aktuellen Versicherungs-markt. Da auch den Lebensversicherern die weiterhin anhaltende niedrige Gesamtverzinsung nicht verborgen bleibt und sich nun die erste große Welle zur Auszahlung anstehender Rückdeckungsversicherungen ankündigt, haben die Versicherungsgesellschaften, zur Sicherung ihrer Kapitalbestände, die Ablösung bestehender Pensionszusagen über hauseigene Pensionsfonds verstärkt in Ihr Angebot aufgenommen.

Hier gilt jedoch auf alle Fälle Vorsicht. In der Regel verwenden die Pensionsfonds einen Garantiezins, der sich analog den aktuellen garantierten Überschussverzinsung der Lebens- und Rentenversicherungen orientiert.

Dieser beläuft sich aktuell auf 2,25 %. Von diesem Zins weichen einige Pensionsfonds mit einer Bandweite von bis zu 3 % ab.

Folgt nun, um bei unserem Beispiel zu bleiben, ein Gesellschafter Geschäftsführer dem Angebot zur Ausgliederung seiner Pensionszusage auf den angeblich risikoärmeren Pensionsfonds, muss er für die Ablösung seiner Pensionszusage mit einem Aufwand rechnen, der bis zu 80 % über seinen derzeitigen Rückstellungswert liegen kann. Je höher die erteilte Zusage ist, ums so schwieriger wird es am Ende für die Unternehmen solche zusätzlichen Lasten zu schultern.

Fazit:
Zusammenfassend kommt es darauf an bestehende Pensionszusagen regelmäßig einer gewissenhaften und seriösen Prüfung zu unterziehen. Die sich aus der Überprüfung ergebenden Handlungsempfehlungen müssen zu dem situationsbedingt erfolgen und mit dem beratenden Steuerberater und dem Mandanten erörtert werden. Aufgrund unserer Neutralität können wir Ihnen die hierzu notwendige fachliche Beratungsleistung jederzeit zur Verfügung stellen.

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